Bildung als Chance für die Armen
Bessere Bildung für Arme
Menschen auf dem Land sind in Indien meist ausgegrenzt. Sie haben zwar freien Zugang zu den öffentlichen Grund- und Mittelschulen (bis zur 8. Klasse), müssen dann aber für die höheren Klassen weite Strecken, Schulgelder und Transportkosten in Kauf nehmen, woran die meisten Pläne für einen guten Schulabschluss und somit die Chancen zu einer guten Ausbildung und einer besseren Zukunft scheitern. Ein weiteres Hindernis ist, dass es den Jugendlichen trotz erreichtem Schulabschluss an Englischkenntnissen fehlt, was wiederum starke Auswirkungen auf ihre schulischen und beruflichen Möglichkeiten hat.
Englische Grundschulen befinden sich selten in der Nähe der Dorfbewohner. Sie finden es schwierig, die kleinen Kinder weite Distanzen fahren zu lassen und wählen deswegen meistens die öffentliche Schule, welche gut zu erreichen ist. Diese wiederum unterrichtet in den ersten Jahren nur ansatzweise Englisch, was den Wechsel in eine höhere Schule, welche in englischer Sprache geführt wird, schlicht unmöglich macht.
Diverse Studien zeigen: Jugendliche aus ländlichen Gegenden haben oft eingeschränkten Zugang zu einer Berufsausbildung. Der Anteil frühzeitiger Schulaussteiger in diesen Gebieten ist besonders in den öffentlichen Schulen hoch. Dies aus einem Mangel an Infrastruktur, Lehrmitteln und Lehrern, die bereit sind auf dem Land zu unterrichten.
Ohne Schul- und Lehrabschluss sind die Löhne unter dem Existenzminimum. Viele Jugendliche geraten so in einen Teufelskreis von Resignation, Drogensucht und Gewalt, Kriminalität, Depressionen und Suizid.
Fazit
Eine gut erreichbare englischsprachige Primarschule mit Kindergarten für die Armen und Ausgegrenzten auf dem Lande gibt diesen einen Vorsprung für ihre weiteren Schuljahre und somit Chancen für eine bessere Zukunft.
Eine englischsprachige Primarschule für die Armen
"The ARK nursery & primary school" Eraiyur - Chance für die Ausgegrenzten
Die Schule wurde bereits vor zwei Jahren durch eine andere Organisation im Dorf Eraiyur (in der Nähe von Chennai) gegründet. Letzten Sommer wurde sie uns von ihrem Gründer übergeben.
Am 8. Juni 2009 wurde in der "the ARK nursery & primary school" genannten Schule der Unterricht wieder aufgenommen. Dieses Jahr führt die Schule die Klassen von der Spielgruppe (2 ½ J.) bis zur 3. Klasse und soll jedes Jahr bis zur 5. Klasse (9 -10 J.) erweitert werden.
Die Schule führt alle Klassen von Anfang an in englischer Sprache. Weil Kinder spielend lernen, weden sie es nach dem Abschluss der fünften Klasse leichter haben, sich in der englischen Sprache zu verständigen und der übertritt in eine andere englischsprachige Schule für die höheren Klassen sollte somit keine Schwierigkeiten bereiten.
Unser Schulsystem - Ein Gegensatz zum konventionellen System
Das in Indien konventionell angewandte System ist einseitig, autoritär und leistungsorientiert. Die Klassen sind normalerweise sehr gross (ca. 50 oder noch mehr Kinder) und die Lehrer oft nicht genügend ausgebildet um den Anforderungen gerecht zu werden. Viele Kinder erleiden dadurch schon in jungen Jahren sehr hohen akademischen Leistungsdruck, verlieren ihr Selbstvertrauen, können sich dadurch nicht entfalten, leiden unter Prüfungsangst und kommen so nur schwer zu einem erfolgreichen Schulabschluss.
Wir wollen ganz bewusst eine Alternative zum üblichen Lernsystem bieten, die Kinder als eigene Persönlichkeit verstehen und sie ganzheitlich fördern. Vom Staat aus haben Grundschulen die Freiheit ihr eigenes System anzuwenden, mit der Auflage, die Kinder auf die weiterführende Stufe vorzubereiten.
Die Montessorimethode oder auch das "Activity based learning system" eignen sich dazu sehr gut, so dass Kinder durch die vorhandenen Lehrmittel, den unbeschwerten Zugang zu Lehrern und der Vielfalt von Aktivitäten mehr Freude am Lernen haben. Auf spielerische Art werden sie zum Lernen und zur Selbständigkeit angeregt.
Es werden pro Klasse maximal 25 Kinder aufgenommen um eine gute Lernatmosphäre und individuelle Betreuung zu ermöglichen. Die Kinder werden beobachtet und in ihrer intellektuellen sowohl auch emotionalen, sozialen, motorischen und sprachlichen Entwicklung gefördert.
Wir sind überzeugt, dass diese Art zu lernen die Kinder in ihrem Selbstvertauen stärkt, das selbständige Denken fördert und wir ihnen so zu einer besseren Zukunft verhelfen können.
Herausforderungen
Die Schule steht derzeit in einem Prozess der staatlichen Anerkennung. Dafür müssen die vom Staat formulierten Bedingungskriterien erfüllt werden.
Weil die vorhandenen Gebäude zu wenig Räume bieten, können die Anforderungspunkte nicht eingehalten werden und eine staatliche Anerkennung wird deshalb nur mit Vorbehalt erteilt.
Dieses Problem können wir nur lösen, wenn wir ein neues Gebäude nach Vorschriften der Schulbehörde bauen oder das vorhandene Gebäude ergänzen. Weil bereits jetzt mehrere Klassen einen Raum teilen müssen und viele Kinder auf einen Platz in der Schule warten, ist eine Vergrösserung der Schule unumgänglich.
Ziele und Zielgruppe
Durch das Projekt sollen folgende Ziele erreicht werden:
- Verbesserung der Selbst- und Sozialkompetenz (Selbstvertrauen gewinnen, Umgangsformen, und Einfühlungsvermögen einüben, Konflikte zu lösen lernen, sich verbal und gestalterisch ausdrücken können, etc.)
- Erwerb von akademischen Kompetenzen ihrem Alter entsprechend, übertritt in eine weiterführende englischsprachige Schule, etc.
- Verbesserung der sozialen, gesundheitlichen und bildungsmässigen Entwicklung im sozialen Umfeld (Familien und Nachbarn werden in die Ausbildung involviert).
Einen Platz in "the ARK nursery & primary school" wird Kindern angeboten, die aus der Schicht der Einkommens¬schwachen stammen (zurzeit max. Einkommen von CHF 100.- pro Familie/Monat) mit Priorität für die ärmsten. Diese haben aus finanziellen Gründen keine Chance, eine englischsprachige Schule zu besuchen. Es sollen auch schulisch zurückgebliebene, psychisch gefährdete (traumatisierte) Kinder und Behinderte integriert werden.
Leistungsangebot der Schule
Die Schule bietet im Jahr 2010 die folgenden Leistungen an
- Es werden Klassen von der Spielgruppe bis zur 3. Klasse geführt. (Im Schuljahr 2010/11 erfolgt die Erweiterung zur vierten Klasse.)
- Wir garantieren qualifizierte Lehrer/innen - wir stellen hohe Anforderungen im Umgang mit den Kindern, Arbeitskollegen, Vorgesetzten, Arbeitsmoral und Vorbild.
- Körperliche Bestrafung ist verboten. Bei einem allfälligen Vergehen erfolgt die sofortige Entlassung.
- Das Schulgeld wird in Form eines "symbolischen Betrags" gezahlt - die ärmsten sollen bei der Aufnahme Vorrang haben. Dies kann durch Hausbesuche bei den angemeldeten Schülern evaluiert werden.
- Die Schule ist die erste "fast kostenlose" englischsprachige Schule in der Region - (englischsprachige Schulen sind meist teuer. Die Leute vom Dorf haben ein kleines Einkommen und setzen keine Prioritäten für eine gute Schulbildung. )
- Es werden Minimalbeträge für Uniformen, Schulbücher und Hefte sowie für den Abhohl- und Bringdienst eingefordert. Es gilt: wichtig ist, dass die Kinder zur Schule gehen können, aber dennoch die Eltern Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder übernehmen.
- Zum Erlernen von schulischen und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden Montessori- und konventionelle Lehrmittel eingesetzt.
- Eine Bibliothek mit Bücher in englischer sowie tamilischer Sprache bietet einen weiteren sprachlichen Zugang.
- Alle Kinder werden in gestalterischen Aktivitäten sowie im Singen und Tanzen und anderen Ausdrucksformen gefördert.
- Die Eltern werden durch Elterntage 4 x im Jahr über die Entwicklung des Kindes, Prävention, Gesundheit, Erziehung und sonstigen Themen betreffend Eltern-Kind
- Lehrerbeziehung informiert. Wir beantworten jederzeit ihre Fragen im persönlichen Rahmen und bieten Ihnen Beratung an.
- Alle Kinder, die keine Pausensnacks von zu Hause mitbringen können, bekommen ihren Snack von der Schule.
- Die Kinder der Vorschule und des 1. Kindergartenjahres, die nur den halben Tag Schule haben, können den Nachmittag im Hort verbringen.
- Der Spielplatz bietet Möglichkeiten für Pausenaktivitäten und Turnen im Kindergarten.
- Es werden verschiedene Spiele und sportliche Aktivitäten für die Primarschüler organisiert, inklusive Sporttag.
- Ebenso gehören Ausflüge und Schulfeste zum festen Schulprogramm.
- Alle Kinder werden jährlich vom Schularzt untersucht. Bei Problemen oder auffälligem Verhalten werden die Eltern darauf hingewiesen, das Kind nach Bedarf abklären zu lassen.
- Die Kinder tragen alle eine ID mit Schuladresse, Wohnadresse und den wichtigsten Telefonnummern.
Falls eine Familie das festgelegte Schulgeld für ihre Kinder nicht bezahlen kann, wird individuell nach einer Lösung gesucht. (Ein Teilbetrag wird eingefordert, oder die Uniformen werden gratis zur Verfügung gestellt.) Es ist allerdings zu sagen, dass das Schulgeld extrem niedrig ist und so festgelegt wird, dass es von jeder armen Familie bezahlt werden können sollte.
Mögliche Erweiterung der Leistungsangebote in Zukunft
Gerne wollen wir die oben erwähnten Leistungen ergänzen und haben folgende Ideen, die je nach finanzieller Situation und Möglichkeiten mit der Zeit umgesetzt werden könnten:
- Audiovisuelle Einrichtung (Projektor mit Leinwand, Fernseher, DVD-Player):
Zur Bereicherung der Lernmethoden und Angeboten. Diese kann auch für Erwachsenenbildung verwendet werden. - Handarbeits/Werkunterricht: Leute aus der Umgebung, die die lokalen Handarbeiten betreiben, könnten ihr Handwerk weitervermitteln. Somit könnten sie etwas Geld verdienen und die traditionellen Handarbeiten können erhalten bleiben.
- Erwachsenenbildung: Für erwachsene Analphabeten könnten Lese- und Schreibkurse angeboten werden.

